In Berlin ist der Protest gegen den Gaslobby-Gipfel „World LNG Summit“ in die nächste Runde gegangen. Etwa 280 Protestierende verschiedener Klimaschutzgruppen haben am Dienstagmorgen gegen 7.40 Uhr mehrere Eingänge des Luxus-Hotels Adlon blockiert.
Ihr Ziel: die Vertreter:innen von RWE, ExxonMobil, Shell, TotalEnergies und weiterer fossiler Konzerne daran zu hindern, ihr Lobby-Ereignis des Jahres fortzusetzen. Das gemeinsame Motto des Klimabündnisses lautet: „Gaslobby stoppen – sauberes Gas ist eine dreckige Lüge!“
Eine luxuriöse Lobby-Party sollte es am Dienstag für die Gas-Lobbyist:innen im teuersten Hotel Berlins werden. Stefan Wenzel, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, hatte sich als Eröffnungsredner angekündigt. Die friedlichen Bündnisproteste haben diese Pläne vorerst durchkreuzt. Die Beteiligten wollten die von den Teilnehmer:innen des LNG-Gipfels vorangetriebene Zerstörung nicht länger akzeptieren und versperrten mehrere Eingänge des Austragungsortes durch Sitzblockaden. Einige fixierten sich vor Ort mit Superkleber und verschütteten grüne Farbe, um das Greenwashing des Word LNG Summits symbolisch zu kritisieren.
Raphael Thelen (39), Sprecher der Letzten Generation, ist heute vor Ort: „Jeder und jede der Lobbyist:innen hat 4.000 Euro bezahlt, um hier im Adlon vier Tage lang mit Staatssekretär:innen sprechen zu können, im Hinterzimmer zu kungeln und dreckige Geschäfte abzuwickeln. Wir akzeptieren nicht, dass reiche Konzerne sich auf diese Art und Weise Macht und Einfluss erschleichen. Wir wollen eine Politik für alle und nicht eine Politik, die sich von Interessenvertreter:innen der Gasindustrie kaufen lässt!“
Die Lüge von Flüssiggas als „Brückentechnologie“
Deutsche Politiker:innen bejubeln LNG (Flüssiggas) gern als „Brückentechnologie“. Von Erdgaskonzernen wird LNG als klimafreundliche Alternative zu Kohle verkauft. Bei genauerer Betrachtung stellt sich allerdings heraus, dass ihre Behauptung eine dreiste Lüge ist: Gas ist nur bei der Verbrennung sauberer als Kohle. Schließt man den Transport via Tanker und die Gewinnung – oftmals durch Fracking – mit ein, ist Flüssiggas der Klimakiller Nummer eins und damit schädlicher als Kohle.
Umso schamloser ist die für Dienstagabend geplante Verleihung des sogenannten „World LNG Awards“. Mit diesem Preis feiern die Gaskonzerne ihre besten Ideen zur Profitmaximierung, zum Greenwashing und zur Vermarktung und ihres zerstörerischen Geschäftsmodells.
An den Demonstrationen gegen die Gas-Lobby sind über vierzig Umweltverbände und Klimagerechtigkeitsgruppen beteiligt. Extinction Rebellion, Scientist Rebellion, Ende Gelände und die Letzte Generation haben bereits im Vorfeld ungehorsame Proteste angekündigt. Zudem wurde in den Räumen der Rosa-Luxemburg-Stiftung ein zweitägiger Gegen-Gas-Gipfel in Konferenzform abgehalten, mit Vorträgen und Workshops zur Zerstörung unserer Lebensgrundlagen durch Flüssiggas.
Die wichtigsten Fragen zu LNG
Was ist der World LNG Summit überhaupt?
Der World LNG Summit ist eines der größten internationalen Vernetzungstreffen der fossilen Gasindustrie und -lobby. Konzerne wie RWE, Exxon, Shell, Total und co. treffen sich im Hotel Adlon, um sich weiter zu vernetzen und Deals über zukünftige Projekte abzuschließen. Mit den „World LNG Awards“ zeichnen sich die Konzerne gegenseitig dafür aus, wer die besten Ideen für die Vermarktung, Profitmaximierung und das Greenwashing ihres zerstörerischen Geschäftsmodells hatte.
Die Gaslobby hat weltweit extremen Einfluss auf politische Entscheidungsträger*innen und macht mit ihren Geschäften Milliardengewinne auf die Kosten von uns allen.
Was ist LNG und warum ist es ein Problem?
Zum Transport von Gas hat sich in den letzten Jahr das sogenannte „Liquified Natural Gas“ (LNG) durchgesetzt. Hierbei wird Gas bei -161 Grad verflüssigt, um es anschließend verschiffen zu können. Seit 2020 wird mehr Gas über LNG-Schiffe transportiert, als über Pipelines, Tendenz weiter steigend.
Dabei ist LNG mit die klimaschädlichste Option, um Gas zu transportieren. Bei der Förderung und dem Transport entweicht Methan, ein weitaus schädlicheres Treibhausgas als CO2. Wenn diese Emissionen mit eingerechnet werden, ist Erdgas weitaus klimaschädlicher als Kohle.
Gerade Deutschland hat im Zuge des Angriffskrieges auf die Ukraine massiv LNG-Infrastruktur ausgebaut. Das wurde damit gerechtfertigt, dass LNG als „Brückentechnologie“ geeignet sei und die Terminals „wasserstoff-ready“ seien. Mit der Erzählung, dass wir bald grünen Wasserstoff über die gebauten Terminals empfangen könnten, wird uns die fossile Infrastruktur als Projekt der nachhaltigen Energiewende verkauft. Das wir bald Wasserstoff über die Terminals empfangen können, ist technisch noch höchst umstritten bisher nur ein weiteres Märchen der fossilen Industrie, um ihr Geschäftsmodell abzusichern. Durch den massiven Ausbau manövriert sich Deutschland in einen fossilen Lock-in.
Wo kommt das LNG her, dass in Europa ankommt?
/ LNG, das nach Europa kommt, ist vorwiegend Fracking-Gas aus USA. Fracking ist die gefährlichste und schädlichste Methode Gas zu gewinnen. Dabei wird eine hochgiftige Mixtur an Chemikalien in tiefliegende Erdschichten gepumpt, um an das Gas heranzukommen. Fracking vergiftet dabei nicht nur die Natur und Umwelt, sondern ist auch extrem gefährlich. Es führt z.B. zu hohen Krebsraten in den betroffenen Regionen und vergiftet das Trinkwasser.
Russland hat seine LNG-Flotte ausgebaut und liefert sein Gas nun über die Häfen von Belgien, Frankreich und Spanien nach Europa, von wo aus es über Pipelines auch nach Deutschland kommt. So finanziert LNG weiter das Sterben in der Ukraine.
Weitere LNG-Lieferanten sind Diktaturen wie Katar. Außerdem planen Konzerne, für die Produktion von LNG neue Gasfelder zu erschließen, beispielsweise im fischreichen Meer vor der Küste Senegals.
Brauchen wir LNG?
/ Es ist grotesk: erneuerbare Energietechniken für Wärme sind längst technisch top und bei der Speicher- und Batteriebranche geht gerade die Post ab. Mit jedem Euro, den politische Entscheidungsträger*innen weiter in die Gasinfrastruktur stecken, zementieren sie den fossilen Lock-in, statt erneuerbare Strukturen für uns alle aufzubauen. So will die Gaslobby ihr Märchen, dass wir Flüssiggas brauchen, Realität werden lassen. Der erneuerbare Anteil im deutschen Strommix liegt bereits heute bei über 50 Prozent. Eine Gasmangellage existiert schon seit Mitte 2023 nicht mehr, im September 2024 erklärte Wirtschaftsminister Habeck die Mangellage offiziell für beendet. Lasst uns dem LNG-Rausch entschlossen entgegentreten!








