Kostet dieses blendend schöne Mundwerk seinen Besitzer den Wahlsieg?

Auch schon zuvor lief es für den CDU-Jungspund nicht mehr rund, doch die mediale Debatte über seine jahrealten Äußerungen über minderjährige Mädchen könnten Manuel Hagel entscheidende Prozente kosten.

Manuel Hagel könnte auf den letzten Metern scheitern. Keine zwei Wochen vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg setzt den CDU-Spitzenkandidten ein aus dem Jahr 2018 stammender und erneut in Umlauf gebrachter Videoclip erheblich unter Druck. Darin prahlt der damals 29-Jährige – zum Zeitpunkt der Aufnahme immerhin Landtagsabgeordneter und Generalsekretär der Südwest-CDU – von einem Schulbesuch und romantisiert das Aussehen einer minderjährigen Schülerin („braune Haare, rehbraune Augen“).

„Ich war vor wenigen Wochen in einer Realschule bei uns im Wahlkreis. Eine Klasse, 80 Prozent Mädchen. Da gibt es für 29-jährige Abgeordnete schlimmere Termine als diesen. Ich werde es nie vergessen, die erste Frage. Sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen.“ – Manuel Hagel

Angesichts dieser Äußerungen des konservativen Politikers ist eine teils aufgebrachte mediale Debatte entfacht, die den bislang unspektakulären Wahlkampf in Baden-Württemberg überschatten. Zwar war Hagels Vorsprung zu den Grünen um Cem Özdemir in Umfragen von zehn Prozent seit Anfang Januar auf ein bis zwei Prozent zusammengescholzen. Die Diskussionen um seine Person könnten ihm nur wenige Tage vor der Wahl die entscheidenden Prozente kosten.

Im Raum stehen fragwürdige Beschreibungen der Physiologie junger Mädchen durch einen damaligen ambitionierten Jungpolitiker, der sich in einschlägigen Formaten ein charismatisches Image verpassen will.Während die einen in den Beschreibungen eine Grenzüberschreitung und ein problematisches Rollenverständnis sehen, das eines modernen Spitzenpolitikers unwürdig sei, sagen die anderen, es handle sich um eine gezielte Skandalisierung von Aussagen, die Jahre zurückliegen und im Kontext einer damaligen, flapsigen Selbstdarstellung zu sehen seien.

Wo verläuft die Grenze?

Die Kontroverse angestoßen hatte die Karlsruher Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer (Grüne), die am Montagabend einen etwa 20-sekündigen Ausschnitt des insgesamt 30 Minuten langen TV-Interviews auf “Regio TV Schwaben” auf Instagram und X veröffentlichte. Hagel hätte acht Jahre Zeit gehabt, selbst Verantwortung zu übernehmen und sich öffentlich für diese “verbale Entgleisung” zu entschuldigen. “Dass dies nicht geschehen ist, zeigt aus meiner Sicht weiterhin ein mangelndes Problembewusstsein”, so die 30-Jährige gegenüber dpa. Rückendeckung bekam sie prompt vom Grünen-Bundesvorsitzenden Felix Banaszak.

“Frau Dr. Mayer kommt damit jetzt 12 Tage vor der Landtagswahl acht Jahre zu spät”, konterte Hagel. Er entschuldigt sich damit, dass seine Frau ihm damals “direkt den Kopf gewaschen” habe. Aus Berlin springt ihm öffentlichkeitswirksam die Vorsitzende der Frauen-Union, Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU), zur Seite. Sie erlebe Hagel “als verantwortungsvollen Politiker mit modernen Einstellungen zum Thema Gleichberechtigung und der Rolle von Frauen in Gesellschaft und Politik”, wobei interessant zu wissen wäre, ob sich die Zwei überhaupt schon mal begegnet sind.

Özdemir wusste von nichts

Die Ironie: Der Spitzenkandidat der Grünen bei der Wahl in BW, Cem Özdemir, schlug sich in der TV-Debatte vergangene Woche im SWR auf die Seite von Hagel und verteidigte diesen: “Ich bin mir sicher, Herr Hagel würde das heute nicht mehr so formulieren.”

Monatelang sah es in Umfragen danach aus, als ob Manuel Hagel am 8. März den grünen Ministerpräsidenten Kretschmann in der Villa Reitzenstein beerben wird. Auf charmante Art und Weise lächelte der schöne Schwabe alle kritischen Fragen weg, versprach „Neue Kraft fürs Land“. Er setzte auf die Kernwählerschaft und darauf, keine Fehler zu machen. Letzteres hat er geschafft. Am Ende droht ihn ein Vergehen aus dem Jahr 2018 einzuholen.

Anfang der Woche wurde berichtet, dass sich die heute 23-jährige Schülerin gegenüber der „Bild“-Zeitung zu der laufenden Debatte geäußert habe: „Kann schon sein, dass er damals bei uns in der Klasse war. Aber ich erinnere mich nicht an ihn.“

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