Das Klybeckareal im Norden Basels ist besetzt. Aktivistinnen der autonomen Szene haben am späten Samstagabend drei leerstehende Fabrikgebäude übernommen und zu einem selbstverwalteteten Kulturraum erklärt. Unter dem Namen ZACK (Zone Autonome Culturelle Klybeck) veranstaltet das Kollektiv seither jeden Abend öffentliche Vollversammlungen.
Vermutlich seien übers Wochenende verteilt schon rund 3000 Leute vorbeigekommen und hätten sich ein Bild gemacht. „Die meisten kennen das Areal ja schon und wollten deshalb direkt vorbeikommen“, so ein Passant gegenüber dem Magazin „Bajour“. „Das zeigt, wie stark das Bedürfnis ist, dass die Gebäude nicht leerstehen sollen.“
„Es fehlen Räume, in denen wir spontan zusammenkommen, in die wir einladen, in denen kollektive Ideen entstehen und lebendig gehalten werden“, begründet das Kollektiv die Aktion in einem Communiqué. Gefragt seien Orte, an denen „wilde Experimente möglich sind und ungeplante soziale Interaktionen stattfinden“.
Kritik an Gentrifizierung und teurem Wohnraum in Basel
Die Besetzung sieht sich als Fortsetzung des zivilgesellschaftlichen Kampfes gegen eine Stadtentwicklung, die sich nicht an den Bedürfnissen der Allgemeinheit, sondern an den Profitinteressen von Immobilienkonzernen orientiert.
Im Schreiben des Kollektivs heißt es dazu deutlich:
„Wir brauchen keine neuen 4-Zi-Wohnungen für 3000 CHF aufwärts. Wir brauchen keine Hightech-Hobbyräume, keine modularen Cafés und auch keine mobilen Grünanlagen. Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum für alle Menschen und undefinierte Freiräume, die wir selbstverwaltet und unkommerziell organisieren!“
Bislang waren in den betroffenen Gebäuden Ateliers von Künsterlinnen und Künstlern sowie ein Musikclub untergebracht. Seit Ende April stehen sie nun komplett leer. Bis vergangenen Sonntag, als die Besetzer anrückten.
Kulturprogramm statt Leerstand: Das ist auf dem Klybeckareal geplant
Für die kommenden zwei Wochen hat das Kollektiv ein vielfältiges Programm auf die Beine gestellt. So soll es unter anderem gemeinsame Essensausgaben, Filmvorführungen und Flohmärkte geben. Beim ersten Konzert am Sonntagabend sei der Drang junger Menschen groß gewesen, berichtete ein Mitglied des Kollektivs gegenüber der „Badischen Zeitung“. Die Leute fänden es schön, „dass wieder offen ist“.
Großprojekt „KlybeckPlus“: Investoren planen neues Stadtquartier
Um die Zukunft des Areal bahnt sich ein politischer Konflikt an. Die Eigentümer des Geländes – der Versicherungskonzern Swisslife und der Immobilienagentur Rhystadt – haben das Gelände 2019 für 1,2 Milliarden Franken erworben. Gemeinsam mit der Basler Stadtverwaltung treiben sie das Renditesprojekt „Klybeck Plus“ voran. Auf 30 Hektar sollen Wohnungen für 8500 Menschen und Gewerbe mit 7500 Arbeitsplätze entstehen, mehr als drei Milliarden Franken stehen dafür bereit. Im Zuge dessen sollten die alten Industrieanlagen Ende 2027 abgerissen werden.
Aktivisten fordern langfristige Abkehr von Profitinteressen
Die Aktivisten wollen das verhindern. Sie fordern die Eigentümer auf, die besetzten Gebäude komplett aus der Quartiersplanung herauszulösen und „langfristig und vertragslos“ an das Besetzerkollektiv zu übergeben. Das Ende der professionell abgewickelten Zwischennutzung sei kein Grund, die Gebäude jahrelang ungenutzt zu lassen.
„Statt einer dauerhaften öffentlichen Nutzung werden von der Eigentümerschaft Zwischennutzungen strategisch Gebrauch gemacht, um anhand kultureller und künstlerischer Projekte die Wertsteigerung voranzutreiben, ohne eine langfristige Verpflichtung einzugehen.“
Bislang ist nicht absehbar, wie lange die Eigentümer die Besetzung dulden und ob die Polizei räumen wird. Das ZACK-Kollektiv ruft unterdessen alle Menschen des Quartiers, der Stadt Basel und darüber hinaus dazu auf, vorbeizukommen und sich einzubringen: „Wir mussten viele unserer Räume über die Jahre verlassen, der Ball wurde lange genug flach gehalten. Doch wir lassen uns nicht weiter vertreiben, der Kampf um eine Stadt von Unten geht weiter und wir mischen ab jetzt wieder mit!“
Von Freiburg aus dauert die Fahrt mit der Bahn zum Badischen Bahnhof in Basel weniger als eine Stunde.
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