Uni Freiburg gibt geraubtes koloniales Erbe an Kamerun zurück
Mehr als 120 Jahre nach Ende der deutschen Kolonialherrschaft im heutigen Kamerun will die Universität geraubte Kulturgüter zurückgeben. Am Donnerstag wird eine Delegation zu einer feierlichen Zeremonie in Freiburg erwartet.

Im März 2025 trifft eine siebenköpfige Delegation unter Führung von Sa Majesté Bertrand Effoudou in Freiburg ein. Sie vertreten die Maka, einem jahrtausendealten Stamm aus dem Südosten Kameruns. Ihr Ziel: die sterblichen Überreste einiger ihrer Vorfahren in die Heimat zurückzuholen.
„Wir wollten unsere Verbindung zu unseren Vorfahren wiederherstellen. Wir haben sie gesehen, wir haben sie berührt, wir haben mit ihnen kommuniziert“, so schildert Bertrand Effoudou seine Erfahrungen beim Besuch des Archivs im März 2025. Gleichzeitig stellt er klar: „Wir erwarten, dass wir die Wahrheit über die Verwendung der Körper unserer Vorfahren erfahren und wie vorgegangen werden kann, um sie nach Kamerun zurückzubringen.“
Hintergrund: Die brutale deutsche Herrschaft in Kamerun
Das Gebiet des heutigen Kamerun stand von 1884 bis 1919 unter brutaler deutscher Kolonialherrschaft. Mit militärischer Gewalt unterdrückten deutsche Truppen den Widerstand der Maka sowie anderer Gemeinschaften und beuteten Natur und Menschen rücksichtslos aus. Die einheimische Bevölkerung wurde gezwungen, auf Plantagen Kautschuk, Palmöl und Kakao anzubauen und hunderte Kilometer Gleise zum Transport von Waren und Truppen zu verlegen – einzig zum Profit der deutschen Kolonialisten.
Deutsche Kolonialisten hatten die Gebeine vor rund 120 Jahren unter dem Vorwand der Wissenschaft eingeschleppt. In Freiburg sollen laut Badischer Zeitung knapp 1500 Schädel von Indigenen aus der ganzen Welt lagern. Fünf davon stammen von Angehörigen der Maka. Am kommenden Donnerstag, 16. Juli, will die Uni im Rahmen einer feierlichen Zeremonie in der Universitätskirche die Gebeine an die politischen Führer der Maka übergeben.
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Bei den Gebeinen handelt es sich nach Angaben der Universität um fünf männliche Personen. Zu deren Lebensgeschichten und genauen Todesumständen kann sie keine genauen Angaben machen. Es sei aber wahrscheinlich, dass sie in den 1880er Jahren dem erbitterten Widerstandskampfs der Maka und anderen Gruppen gegen die beginnende Kolonisierung angehörten oder in den darauffolgenden Jahren durch Zwangsarbeit oder Hinrichtung starben.
„Werden alles tun, um die Wunden zu heilen“
„Leider können wir das Unrecht und das Leid, das unsere Forscher in der Vergangenheit begangen haben, nicht wiedergutmachen“, so die Rektorin der Universität Freiburg Kerstin Krieglstein. „Aber wir werden alles tun, was wir können, um die Wunden zu heilen und – wo möglich – die Vorfahren in ihr Heimatland zurückzubringen.“
Seit gut einem Jahr sind Experten an der Universität und des zuständigen Landesministeriums damit befasst, die Bestände in der sogenannten Alexander-Ecker-Sammlung mit Beute aus der deutsche Kolonialzeit zwischen den 1880er Jahren und dem Ende des Ersten Weltkriegs zu erfassen. Die Maka um Bertrand Effoudou haben vor zwei Jahren überhaupt erst erfahren, dass sich die sterblichen Überreste einiger ihrer Vorfahren in Deutschland befinden.



In der Vergangenheit wurden bereits mehrfach sterbliche Überreste von Angehörigen kolonisierter Völker aus der Sammlung der Universität Freiburg restituiert. Dazu gehören Gebeine von 13 Iwi Kūpuna (2013 nach Hawaii), von acht Aborigines und Torres-Strait-Insulanern (2019 nach Australien) sowie die von 14 Personen 2014 nach Namibia, der wichtigsten Kolonie des Deutschen Kaiserreichs und Schauplatz des Genozids an den Herero und Nama.
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