Uni Freiburg gibt geraubte Kulturgüter an Kamerun zurück

Mehr als 120 Jahre nach Ende der deutschen Kolonialherrschaft im heutigen Kamerun will die Universität geraubte Kulturgüter zurückgeben. Am Donnerstag wird eine Delegation zu einer feierlichen Zeremonie in Freiburg erwartet.

Im März 2025 trifft eine siebenköpfige Delegation in Freiburg ein. Sie besteht aus Mitgliedern der Maka, einem jahrtausendealten Stamm der Buntu-Ethnie aus dem Südosten Kameruns. Ihr Ziel: die sterblichen Überreste von einigen ihrer Vorfahren in ihr Heimatland zurückholen.

Die Delegation unter Führung von Bertrand Effoudou, dem Oberhaupt der Maka mit dem Titel Sa Majesté, ist die erste aus Kamerun, die ihre in einer deutschen Sammlung verwahrten Ahnen besucht.

„Wir wollten unsere Verbindung zu unseren Vorfahren wiederherstellen. Wir haben sie gesehen, wir haben sie berührt, wir haben mit ihnen kommuniziert“, betonte Bertrand Effoudou damals, im März 2025 bei seinem Aufenthalt in Freiburg. „Wir erwarten, dass wir die Wahrheit über die Verwendung der Körper unserer Vorfahren erfahren und wie vorgegangen werden kann, um sie nach Kamerun zurückzubringen.“

Deutsche Kolonialisten hatten die Gebeine vor rund 120 Jahren unter dem Vorwand der Wissenschaft nach Europa verschleppt. Fünf davon landeten in Freiburg. Am kommenden Donnerstag, 16. Juli, will die Uni im Rahmen einer feierlichen Zeremonie in der Universitätskirche die Gebeine an Vertreter der Maka zurückgeben.

Oberrhein-Echo-Newsletter abonnieren

Erhalte regelmäßig die neuesten Beiträge in dein E-Mail-Postfach.

Erste Delegation aus Kamerun fordert Aufklärung

Seit gut einem Jahr sind Experten an der Universität damit befasst, die Bestände in der sogenannten Alexander-Ecker-Sammlung mit Beute aus der deutsche Kolonialzeit zwischen den 1880er Jahren und dem Ende des ersten Weltkriegs zu erfassen. Die Maka um Bertrand Effoudou haben vor zwei Jahren überhaupt erst erfahren, dass die sterblichen Überreste von einigen ihrer Vorfahren in Deutschland lagern.

Bei den Verstorbenen es sich nach Angaben der Universität um fünf männliche Personen, zu deren Lebensgeschichten und genauen Todesumständen sie aber keine genauen Angaben machen kann. Es sei aber wahrscheinlich, dass sie in den 1880er Jahren dem erbitterten Widerstandskampfs der Maka und anderen Gruppen gegen die beginnende Kolonisierung angehörten oder in den darauffolgenden Jahren durch Zwangsarbeit oder Hinrichtung starben.

Objektifiziert und entmenschlicht: Die Alexander-Ecker-Sammlung

Fest steht, dass der Freiburger Anthropologe Alexander Ecker im Jahr 1857 am Anatomischen Institut der Universität Freiburg eine Sammlung von Schädeln, Skeletten und anderem kolonialem Raubgut anlegte.

Eine grundlegende Aufarbeitung der eigenen Kolonialgeschichte bezüglich der Frage nach der eigenen historischen Mitverantwortung für das koloniale Unrecht fand an der Universität bislang nicht statt auch, wenn in den letzten Jahren einiges angestoßen wurde.

Die Universität kooperiert dabei mit dem baden-württembergischen Ministerium für Wissenschaft. So untersucht das Projekt „Provenienzforschung zu kolonialen Wissenschaftssammlungen“ seit 2024 die Herkunft der verwahrten Personen, viele davon aus ehemaligen deutschen Kolonien.

Und auch die Öffentlichkeit scheint in Freiburg für das Thema sensibilisiert: So beschloss der Gemeinderat im Jahr 2017, eine seit 1889 nach Ecker benannte Straße umzubenennen – begründet mit dessen „problematischer Vorreiterrolle als völkischer Rassenideologe“.

Im Zuge von Black Lives Matter-Protesten wurde zudem im Jahr 2017 eine in der Uni aufgestellte Büste Eckers beschädigt und anschließend dauerhaft entfernt.

„Leider können wir das Unrecht und das Leid, das unsere Forscher in der Vergangenheit begangen haben, nicht wiedergutmachen“, so die Rektorin der Universität Freiburg Kerstin Krieglstein. „Aber wir werden alles tun, was wir können, um die Wunden zu heilen und – wo möglich – die Vorfahren in ihr Heimatland zurückzubringen.“

In der Vergangenheit wurden bereits mehrfach menschliche Überreste von indigenen Bewohnern kolonisierter Völker aus der Alexander-Ecker-Sammlung restituiert. Dazu gehören Gebeine von 13 Iwi Kūpuna (2013 nach Hawaii), von acht Aborigines und Torres-Strait-Insulanern (2019 nach Australien) sowie die von 14 Personen 2014 nach Namibia, der wichtigsten Kolonie des Deutschen Kaiserreichs und Schauplatz des Genozids an den Herero und Nama.

Die brutale deutsche Herrschaft in Kamerun

Das Gebiet des heutigen Kamerun stand von 1884 bis 1919 unter brutaler deutscher Kolonialherrschaft. Mit militärischer Gewalt unterdrückten deutsche Truppen den Widerstand der Maka sowie anderer Gemeinschaften und beuteten Natur und Menschen rücksichtslos aus.

Die einheimische Bevölkerung wurde gezwungen, auf Plantagen Kautschuk, Palmöl und Kakao anzubauen und hunderte Kilometer Gleise zum Transport von Waren und Truppen zu verlegen – einzig zum Profit der deutschen Kolonialisten.

Hörtipp

OBERRHEIN ECHO Newsletter abonnieren

Erhalte regelmäßig die neuesten Beiträge in dein E-Mail-Postfach.

Unabhängiger Journalismus braucht ein starkes Fundament

Die Vision: Eine kritische und unabhängige Stimme für Freiburg. Damit aus dieser Vision ein dauerhaftes Angebot wird, brauchen wir Dich. Deine finanzielle Hilfe ermöglicht unsere Arbeit. Unterstütze uns dabei, die laufenden Kosten zu decken und unser journalistisches Angebot voranzubringen. Vielen Dank!

3 €
5 €
10 €
JETZT UNTERSTÜTZEN

Sicher zahlen mit

PayPal Apple Pay Kreditkarte Giropay SOFORT SEPA

Jetzt teilen