Der Freiburger Dietenbachwald ist wieder besetzt

Der Kampf um den Erhalt des Freiburger Dietenbachwalds geht in eine neue Runde. Gut eineinhalb Jahre nach der Räumung sind wieder Aktivisten in den Bäumen. Schaffen sie es im zweiten Versuch, die Rodung zu verhindern?

Im Rathaus sei man „irritiert“ und „überrascht“ davon gewesen, dass der Dietenbachwald wieder besetzt ist. Bis Oktober seien wegen Tier- und Artenschutz ohnehin keine Rodungen geplant gewesen, so eine Sprecherin gegenüber dem SWR. Warum also schon jetzt, im Hochsommer, den Wald besetzen, wenn erst im Herbst die Bagger anrollen? Eine Antwort geben die Besetzerinnen vor kurzem selbst in einem Post auf BlueSky: „Kommt rum. Im Wald ist’s viel kühler.“

Kritik vom Aktionsbündnis an der Stadt Freiburg

Angesichts der anhaltenden Hitzewelle am Oberrhein und dem Versagen der Stadt Freiburg bei Hitzeschutzmaßnahmen bietet sich für alle Freiburgerinnen und Freiburger unverhofft die Möglichkeit zum kühlenden Waldbaden. Sich für die Umwelt einsetzen und gleichzeitig die Gesundheit schonen – engagierte politische Praxis macht’s möglich.

Doch die Besetzerinnen laden nicht nur zu gemütlichem Beisammensein ein. Sie wollen mit der Aktion eine geplante Erschließungsstraße verhindern. Die für Herbst angesetzte Rodung soll der Auftakt sein für den Bau des neuen Stadtteils Dietenbach im Westen Freiburgs mit 6900 Wohnungen für 15.000 Menschen.

Erschließungsstraße für neuen Stadtteil soll verhindert werden

Dem Sprecher des Aktionsbündnisses „Hände weg vom Dietenbachwald“, das sich seit Jahren gegen die Rodungen starkmacht, erging es offenbar ähnlich wie seiner Kollegin von der Stadtverwaltung. Er habe im Vorfeld der Besetzung nichts gewusst, so Christian Zissel. Das Bündnis stehe aber hinter den Aktivisten: „Unter Klimagesichtspunkten ist es falsch, weiter Bäume zu fällen. Die Stadt handelt gegen ihre Klimaschutzbeschlüsse.“

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Zu dritt sollen sie am vergangenen Sonntag das Langmattenwäldchen (Teil des Dietenbachwaldes) an der Mundenhofer Straße in Beschlag genommen haben. Bislang haben sie eine Plattform in mehreren Metern Höhe errichtet und Transparente gespannt. Fotos im Netz zeigen Banner mit der Aufschrift „Geräumt aber wieder da – Haifischflosse Antifa“ oder „Martin, es geht in die zweite Runde! Chaos vergeht nicht. Dieti lebt!“

Das erste Protestcamp im Dietenbachwald – dessen Umrisse aus der Vogelperspektive denen eines Hais ähneln – wurde nach monatelanger Besetzung im Dezember 2024 gewaltsam von der Polizei geräumt. Angesprochen fühlen dürfte sich wohl der frisch wiedergewählte Freiburger Oberbürgermeister Martin Horn.

Eine Wunschliste ruft zum Teilen auf: Gebraucht werden unter anderem Kochzeug, Werkzeug, Baumaterial und Instrumente. Aber auch Feuerholz, Gaskocher und sogar ein Holzofen.

Eine Räumung des Protestcamps ist erstmal nicht geplant, heißt es seitens der Stadt. Und die Polizei schreite nur ein, wenn die Besetzerinnen Straftaten begehen würden. Ob das Protestcamp tatsächlich über den Sommer geduldet wird, bis im Oktober planungsgemäß die Rodungen für die Umgehungsstraße starten, oder ob vorzeitig geräumt wird, bleibt abzuwarten.

Stadt und Polizei halten sich vorerst zurück

Der gegenwärtige meteorologische Ausnahmezustand als Konsequenz der globalen Klimakrise würde ironischerweise einen willkommenen Anlass zur Räumung des Klima-Camps bieten. Eben jene Sprecherin der Stadt Freiburg warnt bereits vor der hohen Waldbrandgefahr. Sie sei sehr besorgt, wenn sich im Wald dauerhaft Menschen aufhielten.

Christian Zissel vom Dieti-Bündnis verteidigt die frühzeitige Initiative mehr als drei Monate vor der geplanten Rodung: „Wenn die Bagger anrollen, ist es zu spät.“

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