Warum Freiburg nicht ausreichend gegen Hitze gerüstet ist

Freiburg sonnt sich gerne im Image der „Green City“. Doch ein neues Gutachten stellt der Stadt ein alarmierendes Zeugnis aus. Wie sicher ist Freiburg, wenn Hitze zur Bedrohung wird?

„Klimaforscher melden weltweit zweitwärmsten Mai seit Beginn der Aufzeichnungen“, hieß es kürzlich in den Schlagzeilen. Europa hat dem monatlichen Bericht des EU-Klimadienstes Copernicus zufolge seinen drittwärmsten Frühling erlebt – angetrieben von „einer ungewöhnlich frühen und intensiven Hitzewelle“ in der letzten Maiwoche. In mehreren europäischen Ländern, darunter Frankreich, wurden Temperaturrekorde für Mai gebrochen.

Klimakrise in der sonnigsten Großstadt Deutschlands

In Freiburg schwärmen die Leute zwar gerne vom mediterranen Flair der Stadt, und davon, die sonnigste Großstadt Deutschlands zu bewohnen. Doch angesichts immer mehr heißeren und trockeneren Sommern büßen diese Zuschreibungen schnell ihren Wohlfühlcharakter ein.

Meteorologinnen sprechen ab einer Temperatur von 30 Grad von einem Hitzetag. Im langjährigen Mittel verzeichnet die Statistik für die Region am Oberrhein etwa 10 bis 15 Hitzetage pro Jahr. In den vergangenen zehn Jahren stieg die Zahl jedoch drastisch an – auf durchschnittlich 21,4 Tage. Im Jahr 2022 kletterte das Thermometer in Freiburg sogar an 39 Tagen über die 30-Grad-Marke. Nur in einem Jahr waren es mehr.

Immer mehr Hitzetage

Heiße Tage treten immer früher im Jahr auf. Freiburg hatte Ende Mai seine ersten drei Hitzetage hintereinander. Vom bisherigen Frühjahrsrekord für Deutschland ist das zwar noch entfernt – dieser wurde 2024 in Ohlsbach bei Offenburg bereits am 6. April aufgestellt. Dennoch ist der Trend eindeutig.

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Der Trend ist eindeutig: Anzahl der Hitzetage in Freiburg von 1974 bis 2023. Quelle: Stadt Freiburg

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Aufgrund der dichten Bebauung und mangelnder Schattenflächen sind die Menschen in der Stadt noch härteren Bedingungen ausgesetzt al auf dem Dorf: Im Sommer liegt die Temperatur hier fast durchgehend um bis zu 3 Grad höher als im Umland. Für die rund 240.000 Freiburgerinnen und Freiburger wird ihre Stadt zunehmend zur Hitzefalle. Die Politik ist zum Handeln aufgerufen. Wie gut ist Freiburg auf Hitzeperioden vorbereitet?

Zumindest die Dringlichkeit der Maßnahmen dürfte in der Grünen-Hochburg Freiburg unbestritten sein. Die klimapolitisch ambitionierte, selbsternannte „Green City“ setzt sich zum Ziel, fünf Jahre vor dem Land und zehn Jahre vor dem Bund klimaneutral zu sein. Doch beim konkreten Hitzeschutz im Hier und Jetzt klafft eine gefährliche Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

Deutsche Umwelthilfe stellt Freiburg mangelhaften Hitzeschutz aus

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kommt in einem Gutachten von Anfang Juni zu einem deutlichen Ergebnis: Freiburg schützt seine Einwohner nicht ausreichend gegen steigende Temperaturen und Trockenheit. In allen untersuchten Kategorien liegt Freiburg im roten Bereich.

So beträgt der Anteil der Bedeckung durch Vegetation, die größer als 2,5 Meter ist, im Jahr 2018 18,72 Prozent – einer der niedrigsten Werte von allen untersuchten Städten. Der Bericht zeigt auch, dass der Anteil versiegelter Fläche an der Verkehrs- und Siedlungsfläche zwischen 2018 und 2025 um 0,59 Prozent gestiegen ist.

Hitzecheck: Baden-Württemberg hinkt beim Klimaschutz hinterher

Neben Freiburg kommen auch zahlreiche weitere Großstädte aus der Region in der Studie nicht gut weg. Von 195 untersuchten Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern liegen zwölf der 20 schlechtesten in Baden-Württemberg. Mannheim, Lahr und Offenburg belegen die hintersten Ränge.

Der DUH-Hitzecheck zeigt: In Freiburg gibt es erstens nicht genug Grün- und Schattenflächen. Laut Gutachten sind zwischen 2018 und 2025 knapp 5000 Bäume aus dem Freiburger Stadtgebiet verschwunden. Und zweitens werden immer noch zu viele Flächen bebaut, ohne andersorts den Asphalt aufzureißen und Flächen zu begrünen. Da wirken die Begrünungsversuche auf dem Platz der Alten Synagoge, wo drei kleine Bäume in Kübeln die Betonwüste verzieren, wie ein schlechter Scherz.

Digitale Bürgerbeteiligung und Symbolpolitik

Zum nationalen Hitzeaktionstag am 11. Juni hat die Stadtverwaltung eine Online-Plattform zur Bürgerbeteiligung gestartet. Auf www.mitmachen.freiburg.de ist die Bevölkerung aufgerufen, ihr Erfahrungen und Wünsche zum Thema Hitzeschutz zu teilen. Ziel sei die Sensibilisierung insbesondere vulnerabler Bevölkerungsgruppen, so die Stadt. Der soziale Nutzen dieses Vorhabens ist jedoch fraglich, sind doch die hinsichtlich Hitze vulnerabelsten Gruppen – Alte, Kinder, Wohnungslose – auf digitalem Weg oft nur mühsam zu erreichen.

Das Jahr mit den meisten heißen Tagen war übrigens der historische Sommer 2003, als es in Freiburg ganze 55 Hitzetage gab. Damals galt so etwas als Jahrhundertereignis. Schon bald wird es glühende Normalität sein.

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