Räumung des Freiburger Dietenbachwalds: „Wären wir mehr gewesen, hätten wir es noch länger aufhalten können“

Seit Samstagmorgen läuft die Rodung des Dietenbachwalds, besser bekannt als "Dieti". Eine Gruppe demonstrierte gegen die Rodung und die Räumung der Waldbesetzer:innen, die sich seit 2021 und bis zuletzt in Baumhäusern im Wald aufhielten.

Seit Samstagmorgen läuft die Rodung des Dietenbachwalds, besser bekannt als „Dieti“. Eine Gruppe demonstrierte gegen die Rodung und die Räumung der Waldbesetzer:innen, die sich seit 2021 und bis zuletzt in Baumhäusern im Wald aufhielten.

Nach jahrelangen Auseinandersetzungen hatte der Gemeinderat der Stadt Freiburg eine Verordnung beschlossen, nach der die besetzen Baumhäuser und Camps bis zum 6. Dezember, 24 Uhr, geräumt sein müssen. Die Besetzer:innen hatten zu Protestaktionen aufgerufen.

Knapp eine Woche zuvor, am frühen Morgen des 30. Novembers setzten Unbekannte auf der Baustelle im Dietenbachwald mehrere Baustellenfahrzeuge in Brand und konnten trotz schnellem Eintreffen der Cops fliehen. Die Stadt beziffert den Schaden auf mehrere Hunderttausend Euro.

Teilnehmerin der Demonstration schildert ihre Eindrücke

Am Tag der Rodung demonstrieren Aktivist:innen des Bündnisses „Hände weg vom Dietenbachwald“ bei strömendem Regen mit Sprechchören und Schildern. Eine Reporterin von „Radio Dreyeckland“, einem alternativen Radiosender aus Freibung, ist vor Ort und befragt eine Teilnehmerin des Gegenprotests zu den Geschehnissen.

Ab 8 Uhr am Samstagmorgen starten die Rodungsarbeiten. Zu diesen Zeitpunkt befinden sich noch Besetzer:innen auf den umliegenden Bäumen. Gegen 9.45 Uhr marschieren dutzende Cops mit schweren Räumungsfahrzeugen im Wald auf und beginnen damit, aufgestellte Barrikaden zu zerstören.

Gegen 10 Uhr macht die Info die Runde, dass einige Besetzer:innen sich unter der Erde verschanzt haben. Eine Person hat sich offenbar angekettet und eine Hand mittels Beton-Glas-Gemisch in den Boden einbetoniert. Ein Video wird veröffentlicht: „An die Polizei: Ich befinde mich in einem Tunnel unter dem Dietenbachwald. Jegliches Befahren des Barrios mit schwerem Gerät bringt mich in Lebensgefahr. Findet mich doch, wenn ihr könnt!“

Die befragte Zeugin schildert, dass zu diesem Zeitpunkt nicht klar gewesen sei, wo genau sich die Personen unter der Erde befinden. Trotz der schweren Rodungsmaschinen, die das Gelände befahren und den Tunnel möglicherweise zum Einsturz bringen könnten, habe die Polizei hat Hinweise dazu ignoriert.

Stattdessen treffen gegen 10.30 Uhr Spezialeinsatzkräfte ein. Cops umstellen die Besetzung und klettern auf erste Baumhäuser.

Angriff auf die Pressefreiheit

Die Beamten lassen keine Pressevertreter in die Nähe der Rodungsarbeiten. Als Argument schieben sie „Sicherheitsbedenken“ vor. Um 11.30 Uhr wird ein Journalist trotz Presseausweis von der Polizei kontrolliert und bekommt einen Platzverweis erteilt.

Laura Kohl, eine der Aktivist*innen, verurteilt das Handeln der Polizei: „Dieses Vorgehen der Polizei hat nichts mit Rechtsstaatlichkeit zu tun. Die Polizei tritt
hier die Pressefreiheit mit Füßen. Das ist besonders alarmierend, da die Räumung extrem unvorsichtig und gefährlich durchgeführt wird. Nun gibt es nicht einmal Presse vor Ort, die das dokumentieren kann.“

Obwohl die Verordnung der Stadt, nach der die Protestcamps bis zu diesem Tag geräumt sein müssen, schon länger bekannt war, haben sich nur etwa zwei Dutzend Personen zu Demonstrationen zusammen gefunden. „Wenn wir mehr gewesen wären, hätten wir es noch länger aufhalten können“, so eine Teilnehmerin.

Warum konnten nicht mehr Menschen mobilisiert werden?

Was ist der Grund für die geringe Zahl an Menschen, die an diesem Morgen an Protestaktionen teilnehmen? „Da ist die Strategie der Stadt sehr erfolgreich aufgegangen, dass Natur gegen Wohnraum ausgespielt worden ist. Eigentlich hätte es sehr viel Potenzial hier in Freiburg gegeben, dass da viele Leute hätten sein können.“

Der Projektleiter des neuen Stadtteils habe eingestanden, dass von Anfang an anders hätte geplant werden können, um den Wald zu erhalten, so die Frau weiter. Einer späteren Umplanung seien jedoch zu hohe Kosten und Imageschäden für die Stadt im Weg gestanden.

Enttäuscht zeigt sie sich auch vom Freiburger Oberbürgermeister Martin Horn, der in seinem Wahlkampf verkündet habe, für einen „neuen Politikstil mit mehr Bürgerbeteiligung“ zu stehen. „Das sind alles leere Worte. Herr Horn ist hier kein einziges Mal hier vor Ort gewesen.“

Gegen 13 Uhr beginnen die Cops auf den Bäumen damit, Traversen zu zerschneiden, ohne zu berücksichtigen, ob sich Menschen damit gesichert haben. Weitere Personen, die auf dem Weg zur Mahnwache sind, werden von Cops kontrolliert.

Lebensgefährlich

Gegen 16 Uhr fällt ein Baum nur haarscharf an einem besetzen Baumhaus vorbei, in dem sich Menschen befinden.

Sophia Rudolph aus der Pressestelle: „Telefonate zwischen uns und dem Wald werden immer wieder durch angstvolle Rufe unterbrochen ‚Hey, passt auf das ist lebensgefährlich.‘ Es ist an Zynismus kaum zu überbieten, dass die Polizei dabei von einem insgesamt ‚unproblematischen Einsatz‘ spricht, während es reinem Glück zu verdanken ist, dass es bis jetzt noch keine Schwerverletzten unter den Aktivist*innen gab.“

Um kurz vor 19 Uhr holen Beamte den Aktivisten aus dem Tunnel.

Es ist schon nach 20 Uhr, als die Cops das Gelände verlassen.

„Der Freiburger Oberbürgermeister Martin Horn und die Mehrheit des Gemeinderats samt den Pseudo-Grünen, die bei 12 Sitzen die stärkste Fraktion bilden, benutzen das Wort Klima nur noch in ihren Sonntagsreden, um die Bevölkerung zum Narren zu halten. OB Horn setzt die anti-ökologische Politik seines pseudo-grünen Vorgängers, Dieter Salomon, seit 2018 nahtlos fort“, so ein Kommentar von „Radio Dreyeckland“.

Die Aktivist*innen fordern einen sofortigen Räumungs- und Rodungsstopp sowie die konsequenten Aufarbeitung der heutigen Polizeigewalt.

Nachdem am Sonntag keine Arbeiten stattfanden, wird am Montag weiter gerodet und eventuell auch verbliebene Baumhäuser geräumt. Felix vom „Radio Dreyeckland“ berichtet über den aktuellen Stand. Er schildert u.a., dass anwesende Pressevertreter*innen durch die Polizei erneut auf großen Abstand gehalten werden.

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