Christian Streich ist beides. Er ist einer der bekanntesten Vertreter des deutschen Fußballs und Sympathieträger von Millionen von Menschen. Und als solcher ist er gleichzeitig einer der schärfsten Kritiker der Kommerzialisierung im Fußball, den fragwürdigen Praktiken der Fifa und der korrupten Bruderschaft von Fifa-Präsident Gianni Infantino mit US-Präsident Donald Trump.
Kritik an Kommerzialisierung und Korruption
„Was ich erstaunlich finde und bei mir echt Bedenken auslöst: Machenschaften, die früher versteckt im Hintergrund stattgefunden haben, werden jetzt vollkommen öffentlich dargestellt. Eine solche Inszenierung von wenigen Menschen an der Macht, die sich dann teilweise noch die Behauptung erlauben, sie würden demokratische Werte schützen, ist natürlich eine Unverfrorenheit, die einen sprachlos macht“, sagte Streich in einem kicker-Interview zum Start der Fußball-Weltmeisterschaft. „Andererseits wundert einen inzwischen ja fast nichts mehr.“
WM-Tickets: „Profitmaximierung um jeden Preis“
Streich kritisierte auch die hohen Ticketpreise. „Was da aktuell passiert, ist pervers: Profitmaximierung um jeden Preis und eben auf Kosten vieler Menschen“, sagte der 61-Jährige. „Das ist so dermaßen elitär, und ich denke nicht, dass die Leute, die das bezahlen können, sagen: super, dass die anderen nicht reinkommen. Wo kommen denn noch verschiedene Gesellschaftsschichten zusammen?“
Das teuerste Ticket für das Finale am 19. Juli in New Jersey kostet rund 11.000 Dollar. Daneben erzielen Händler an Ticket-Börsen Preise für das Endspiel von mehreren hunderttausend Dollar. „Wir müssen den Markt betrachten – wir befinden uns in dem Markt, in dem die Unterhaltungsbranche weltweit am weitesten entwickelt ist. Deshalb müssen wir Marktpreise anwenden“, so Fifa-Präsident Infantino vor dem Turnier.
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Christian Streich im ZDF-Rampenlicht
Nach zwei Jahren im Ruhestand hat Christian Streich für diesen Sommer eine neue Beschäftigung als ZDF-WM-Experte gefunden. Auf dem Studio-Sofa kommentiert er in den kommenden Wochen fast täglich stundenlang das WM-Geschehen. Und beteiligt sich damit an jenem großen Spektakel, das er so deutlich kritisiert wie kaum jemand aus den Riegen des deutschen Fußballs.
Man fragt sich: Warum hat Streich sich darauf eingelassen? Wie hält er das aus? Hat er sich zu diesem Schritt entschieden, obwohl er mit so vielem bei der WM hadert? Oder kann es sein, dass er sich für die Auftritte im Rampenlicht entschieden hat, gerade, weil er so viel zu kritisieren hat?
WM-Aufstockung: Ein Plädoyer für kleinere Nationen
Trotz aller Beanstandungen findet Streich auch Gutes an der Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada. Dass erstmals 48 Mannschaften an den Start gingen, ist laut Streich „ein historisches Ereignis, das die Menschen in deren Heimat zusammenschweißt. Wir können als große Fußballnation, die sich bisher immer für die WM qualifiziert hat, nicht den Anspruch ableiten, nur mit 16 oder 24 spielen zu wollen.“ Die Kritik an der Aufstockung des WM-Teilnehmerfeldes von 32 auf 48 Nationen sei „Herrschaftsdenken der Mächtigen“.
Profifußball als globales Milliardengeschäft
Das globalisierte Milliardengeschäft des Weltfußballs, dominiert von korrupten Verbänden und zwielichtigen Gestalten, ist hinlänglich dokumentiert. Schon oft sind Steuerbehörden in die Fifa-Zentrale in Zürich eingeritten. Und auch in den USA haben die Generalstaatsanwaltschaften von New York und New Jersey jüngst Ermittlungen wegen der intransparenten Preisgestaltung bei der WM angekündigt.
Inmitten dieser schmierigen Fußballwelt hat Streich als Cheftrainer den SC Freiburg als Spitzenclub in der Bundesliga etabliert. Als einer der letzten verliert er trotz des realen Unrechts die verbindende Kraft des Profifußballs und dessen soziale Verantwortung nicht aus den Augen. Er ist den Freiburger Idealen treu geblieben. Christian Streich bleibt das letzte gute Gewissen des deutschen Fußballs.
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