Bündnis Mensa für Alle: „Immer mehr Studierende in Freiburg überlegen, überhaupt noch in die Mensa zu gehen“

Während Milliarden in die Aufrüstung fließen, sind allein die Preise für das Mensaessen an der Uni Freiburg seit 2018 um 60 Prozent gestiegen. Das Bündnis Mensa für Alle im Interview über studentischen Protest und falsche politische Prioritäten.

Die Freiburger Mensa galt immer als eine Mensa mit bezahlbaren Preisen. Jetzt wurden im April erneut die Preise angehoben. Ihr setzt euch mit der Kampagne „Mensa für alle – Preise senken“ für eine Senkung der Mensapreise ein. Wer seid ihr und was macht ihr genau?

Dani: Wir setzen uns dafür ein, dass die Mensa-Preise in Freiburg gesenkt werden, weil die erst gerade wieder angehoben wurden – und zwar um 35 Cent. Von den Studierenden in Freiburg bekommt man auch immer mehr mit, dass sich immer mehr überlegen, überhaupt in die Mensa zu gehen – und wenn ja, ob sie nicht vielleicht doch das günstigste, aber auch schlechteste Essen nehmen. Wir sehen also, dass das immer mehr zu einem Problem wird.

Lola: Adressat unseres Protests ist dabei nicht das Freiburger Studierendenwerk, sondern das Land Baden-Württemberg, weil die Mensen und auch allgemein die Studierendenwerke nicht genug finanziell unterstützt werden.

Dani: Wir haben die Kampagne als Internationaler Jugendverband initiiert, weil wir eben gesehen haben, dass das ein Problem ist, bei dem man sehr konkret die Auswirkungen der Kürzungen bei den Studierenden spürt.

Was sind eure Ziele mit dieser Kampagne?

Lola: Wir haben natürlich das Ziel, dass die Mensa-Preise wieder runtergehen. Das Problem dabei ist natürlich, dass das unglaublich viel Geld bedeuten würde. Wir fordern natürlich auch, dass die Mensa-Preise nicht nochmal erhöht werden. Realistisch könnte es natürlich sein, dass das nächstes Jahr nochmal passiert und dagegen wollen wir uns stellen.

Langfristig hoffen wir, Kontakt mit den anderen Studierendenvertretungen der anderen Unis in Baden-Württemberg aufzunehmen und uns kollektiv ans Land zu wenden, um mehr Geld für all unsere Studierendenwerke zu fordern.

Wie bewertet ihr die Rolle der Universität in dieser ganzen Sache?

Dani: Die Universität ist auf jeden Fall keine Verbündete. Sie vertritt letztlich auch ihre eigenen Interessen, und das sieht man zum Beispiel daran, dass sie gerade versucht, über die Exzellenzstrategie Exzellenzuniversität zu werden und dadurch zusätzliche Gelder zu bekommen. Da geht es natürlich auch darum, die eigenen Projekte und Exzellenzcluster zu fördern.

Ich glaube auch, dass die Universität deutlich mehr machen könnte, wenn es um die Unterstützung des Studierendenwerks oder der Studierenden insgesamt geht. Sie könnte da eine aktivere und unterstützendere Rolle einnehmen.

Lola: Uns ist natürlich bewusst, dass die Universität nicht einfach Millionenbeträge an das Studierendenwerk überweisen kann. Dass sie da rechtlich und finanziell an bestimmte Vorgaben gebunden ist, ist klar.

Was die Universität aber machen könnte, wäre, sich gegenüber dem Land deutlich stärker für die Studierendenwerke und die Interessen der Studierenden einzusetzen. Gerade bei diesem Thema, aber auch bei anderen Themen, wie dem Missbrauchsfall, der ja erst vor Kurzem öffentlich diskutiert wurde, hätte man sich gewünscht, dass sich die Universität klarer mit den Studierenden solidarisiert und stärker dafür interessiert, wie es den Studierenden an dieser Universität tatsächlich geht.

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Sowohl dieser Missbrauchsfall als auch die seit Jahren immer weiter steigende finanzielle und psychische Belastung von Studierenden stehen für viele exemplarisch für ein grundsätzliches Problem. Oft entsteht der Eindruck, dass die Universität sich nicht besonders dafür interessiert, wie die Lebensrealität der Studierenden aussieht und welche Schwierigkeiten sie haben. Hauptsache, die Studierenden sind da, zahlen ihre Beiträge und besuchen die Lehrveranstaltungen – alles andere scheint häufig eher zweitrangig zu sein.

Forschungsministerin Bär (CSU) hat kürzlich in einem Interview gesagt, dass Studierende „privilegiert“ seien. Ihr habt allerdings schon erwähnt, dass Studierende insgesamt von Kürzungen betroffen sind und der Lebensstandard immer weiter sinkt. Könnt ihr darauf noch ein bisschen eingehen?

Lola: Man kann sich vielleicht, wenn man völlig desillusioniert ist, einreden, dass Studierende insgesamt privilegiert seien. Aber wenn steigende Mensapreise mit anderen Kostensteigerungen zusammenkommen, die noch viel weniger in unserem Einflussbereich liegen – etwa höhere Mieten, steigende Lebensmittelpreise und höhere Energiekosten –, dann summiert sich das zu einer Belastung, die das Studium für viele Menschen zunehmend schwer finanzierbar macht.

Für viele Studierende bleibt dann nur die Möglichkeit, neben dem Studium zu arbeiten. Das ist jedoch nicht in allen Studiengängen gleichermaßen möglich. Selbst ein Werkstudentenjob, der oft als Lösung dargestellt wird, bedeutet eine enorme zusätzliche Belastung. Studium, Arbeit und Alltag gleichzeitig zu bewältigen, ist in vielen Fächern sehr anspruchsvoll.

Hinzu kommt, dass das BAföG mit dieser Entwicklung nicht Schritt hält. Die den BAföG-Sätzen zugrunde liegenden Annahmen zu Lebenshaltungskosten wirken inzwischen realitätsfern. Schon die veranschlagten Ausgaben für Lebensmittel entsprechen kaum den tatsächlichen Preisen. Realistisch abgedeckt wird oft nur noch das günstigste Angebot. Ähnlich verhält es sich beim Wohnen: Die angesetzten Wohnkosten orientieren sich eher an Wohnheimplätzen, während die Mieten auf dem freien Wohnungsmarkt deutlich darüber liegen. In Freiburg dürfte inzwischen nahezu jede reguläre Mietwohnung teurer sein als die im BAföG vorgesehenen Wohnkosten.

Dani: Also man spürt auf jeden Fall an mehreren Stellen, dass das Geld für die Studierendenwerke in Baden-Württemberg fehlt. Das sind neben der Mensa auch die neueren Wohnheime, in denen die Mieten sehr viel höher sind. Und natürlich steigt auch der Semesterbeitrag – 2022 waren es noch 160 Euro, heute sind wir bei 190 Euro.

Hinzu kommt, dass auch im Bildungsbereich selbst gespart wird. An vielen Universitäten fallen Seminare weg, Lehrveranstaltungen sind überfüllt, und teilweise werden zu wenige Prüfungstermine angeboten oder Prüfungszeiträume verkürzt. Dadurch verschlechtern sich die Studienbedingungen spürbar.

Letztlich wird damit auch an der Qualität der Bildung gespart. Gleichzeitig konzentrieren sich viele Hochschulen stark auf Exzellenzstrategien und Wettbewerbe um Forschungsgelder. Während nach außen Spitzenforschung und Exzellenz betont werden, erleben viele Studierende im Studienalltag eine zunehmende Verschlechterung der Lehr- und Lernbedingungen.

Wohin geht denn das Geld, wenn nicht in Bildung?

Dani: Viel Geld wird in Aufrüstung und Militarisierung gesteckt und auch insgesamt, würden wir sagen, findet eine Umverteilung von unten nach oben statt.

Lola: Ja, und dazu kommt ja auch, dass immer wieder Millionen oder sogar Milliarden an Steuergeldern durch politische Fehlentscheidungen oder fragwürdige Projekte verloren gehen. Man denke an Dinge wie den Tankrabatt oder die ständigen Debatten über teure Beraterverträge in Ministerien. Da fragt man sich schon manchmal, wofür dieses Geld eigentlich ausgegeben wird und wie solche Entscheidungen zustande kommen. Das wirkt oft unglaublich intransparent.

Gleichzeitig heißt es dann bei Bildung, Sozialleistungen oder der Unterstützung von Studierenden ständig, dass kein Geld da sei. Das steht für viele in einem krassen Widerspruch zueinander.

Und dann kommt noch dazu, dass von den jungen Leuten, die sich intensiver mit dem Thema beschäftigen, meiner Erfahrung nach kaum jemand wirklich Lust auf diese zunehmende Militarisierung hat. Trotzdem wird dieser Kurs politisch weiter vorangetrieben. Gleichzeitig wird immer wieder darüber diskutiert, dass junge Menschen im Ernstfall Wehrdienst leisten oder sogar in den Krieg ziehen sollen. Das stößt bei vielen auf Unverständnis, weil sie diese Entwicklung weder wollen noch das Gefühl haben, dabei wirklich mitentscheiden zu können.

Zuerst veröffentlicht auf Perspektive Online (CC BY-NC-SA 4.0).

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